Interview mit

Headline_Horst_Heldt

Bei Horst Heldt (52) hat sich bislang alles um Fußball gedreht. Von Königswinter-Oberdollendorf aus startete er seine Fußballerkarriere, die ihn als Spieler über Bad Honnef, zum dem 1. FC Köln führt, für den er 1990 sein erstes Spiel als Profi macht. Weitere Stationen als Profi sind der TSV 1860 München, Eintracht Frankfurt, SK Sturm Graz und der VfB Stuttgart. Insgesamt absolviert er über 350 Bundesligaspiele. Am 23. April 2005 bestreitet Horst Heldt, der 1999 zweimal für die deutsche Nationalmannschaft im Einsatz spielt, die letzte Partie seiner Karriere, die er offiziell am 3. Januar 2006 beendet und als Sportdirektor ins Management des VfB Stuttgart wechselt. Es folgen die Stationen FC Schalke 04 (2010 bis 2016) und Hannover 96 (2017 bis 2019). Im November 2019 wird er Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Köln, der sich allerdings 2021 einen Tag nach erfolgreichem Klassenerhalt Ende Mai 2021 von ihm trennt.

Was war ihr bislang größter Erfolg? Sportlich und privat.
Sportlich ist das schnell festzumachen: Ich bin mit dem VfB Stuttgart 2007 Deutscher Meister geworden als Manager, das war wirklich der größte nationale Erfolg. Dazu bin ich mit Schalke 04 Pokalsieger geworden. Das würde ich sicherlich als die größten Erfolge einstufen. Privat gehört es zu meiner größten Freude, dass ich Vater bin von einem Sohn. Da bin ich sehr glücklich darüber.

Schalke, Hannover und Köln sind nicht gerade für ihr einfaches sportliches Umfeld bekannt. Was hat sie an den Stationen gereizt?
In erster Linie, dass es alles Traditionsvereine sind. Es ist in der Tat so, dass große Vereine, die eine gewisse Tradition haben, nicht so einfach zu führen sind. Aber das Schöne daran ist, dass es viele Menschen bewegt und viele Menschen sich mit diesen Clubs identifizieren. Und deswegen ist es auf der einen Seite nicht ganz einfach, auf der anderen Seite aber genau der Reiz, den es ausmacht. Und das ist schon eine Art von Befriedigung, die man feststellt, wenn man gute Entscheidungen trifft und damit erfolgreich ist. Und das dann viele Menschen bewegt. Deshalb habe ich immer gerne bei traditionellen Vereinen gearbeitet.

Das heißt Sie lieben die Herausforderung?
Ja, einfach kann ja jeder. Und es ist sicherlich nachhaltiger, große Vereine in die richtige Spur zu führen. Ich glaube, das Feedback bei Erfolg ist da größer und deswegen umso schöner.

Das klingt aber auch fordernd. Wie entspannen Sie sich dann vom anstrengenden Job als Fußballmanager?
Ich glaube, da hat tatsächlich jeder seinen eigenen Weg. Ich gehe gerne essen, gutes Essen tut mir gut – hoffentlich nicht zu viel (lacht). Ich lasse mich auch gerne mal berieseln. Ich gehe gerne golfen, wenn ich Zeit habe. Früher, vor Corona, bin ich auch gerne mal ins Kino gegangen. Ich glaube, es sind die einfachen Dinge, die einen hin und wieder ablenken, wo man dann nicht unbedingt an seinen Job denkt, beispielsweise auch mit Freunden zusammen zu sein.

Sie sind in Königswinter geboren. Haben Sie noch Kontakte in ihre alte Heimat?
Ja, selbstverständlich. Meine Mama lebt noch da und meine beiden älteren Schwestern in Königswinter und Umgebung. Und deswegen bin ich natürlich schon des Öfteren im Rheinland oder im Siebengebirge. Das ist ja auch ein tolles Fleckchen. Da ist man gerne. Hin und wieder habe ich Gelegenheit und die Zeit, da zu sein. Auch wenn mein Lebensmittelpunkt mittlerweile München ist, bin ich manchmal schon gerne auch im Sieben­gebirge.

Nun haben Sie es selbst schon angesprochen: ihr privater Lebensmittelpunkt ist München. Warum gerade München?
Das ist schon eine, ich würde sagen, der zwei oder drei schönsten Städte in Deutschland. Es ist da wirklich sehr angenehm zu leben, man hat viele Möglichkeiten. Vor allem viele Freizeitmöglichkeiten, die es vielleicht in anderen Städten so nicht gibt. Man ist schnell in den Bergen, schnell in Österreich – ob im Winter zum Skifahren oder im Sommer zum Wandern. München ist eine sehr sichere Stadt, man fühlt sich da sehr wohl. Sie ist auch nicht zu groß und hat schon totalen Charme. Und deswegen bin ich, seit ich mal bei 1860 München gespielt habe, nie mehr weggezogen und habe mich entschieden oder besser wir haben uns entschieden, dass der Lebensmittelpunkt München ist.

Welche Hobbys haben Sie?
Tatsächlich bin ich ein bisschen sportaffin. Auch in meiner Freizeit spiele ich hin und wieder noch Fußball. Aber meine große Leidenschaft, auch wenn es sehr zeitintensiv ist und oft wenig Zeit übrigbleibt, ist zum Golfen übergegangen. Das spiele ich leidenschaftlich gerne. Leider zu wenig, aber dieser Sport hat mich gepackt und macht mir sehr viel Spaß.

Worüber können Sie herzhaft lachen?
Situationskomik. Ich kann, glaube ich, über sehr viel lachen. Trockene Witze, wenn man sich selbst ein bisschen auf die Schippe nimmt, sich selbst nicht so ernst nimmt. Solche Situationen, aber auch Menschen, die darüber berichten, darüber kann ich herzlich lachen.

Und worüber können Sie sich maßlos aufregen?
Oh, über ganz viele Sachen, wie andere Menschen auch. Ignoranz, Oberflächlichkeit, Starrsinn. Über Soziale Medien kann ich mich ziemlich aufregen. Dass Menschen bereit sind, so viel von sich preiszugeben. Da gibt es eine Menge Sachen. Aber im Grunde habe ich gelernt, dass man sich nur über Sachen aufregen kann, die man selbst beeinflussen kann. Und wenn man die nicht richtig macht, kann man sich über sich selbst ärgern. Aber Ignoranz ist mit Sicherheit ein Thema, mit dem ich sehr wenig anfangen kann.

Wie haben Sie die Corona-Zeit erlebt?
Skurril, wie viele andere auch. Das Leben hat sich wirklich komplett verändert. Früher waren banale Sachen, wie z. B. sich nicht die Hand zu geben, unhöflich. Heute ist man unhöflich, wenn man sich die Hand gibt. Also das war für alle wirklich ein einschneidendes Erlebnis und ist ja leider Gottes immer noch nicht vorbei. Man hat irgendwie gelernt, damit zu leben. Aber anfreunden kann man sich und sollte man sich nicht damit. Es gab schwierige Phasen in meinem Job. Von heute auf morgen wusste man nicht, wie es weitergeht. Wie in anderen Bereichen des Lebens auch – sei es in der Gastronomie oder im Einzelhandel, war es auch im Fußball. Wir wussten nicht, ob wir überhaupt mal wieder Fußball spielen können. Wir haben eine ganze Zeit gar nicht gespielt. Dann haben wir ohne Zuschauer gespielt. Auf einmal war die Lebensgrundlage weg. Und das ist ein Thema, auf das man natürlich nicht wirklich vorbereitet ist. Das hat einem wirklich die Beine weggezogen. Es ist wirklich sehr schwierig, dass man heutzutage vorgeschrieben bekommt, mit wem man sich treffen darf und mit wem nicht. Das hätte ich nicht gedacht, dass das jemals passiert.

Sie haben KfZ-Mechaniker gelernt. Können Sie das Gelernte heute noch gebrauchen? „Schrauben“ Sie ab und an noch?
Ich besitze einen schönen alten Oldtimer, einen Porsche aus dem Jahr 1974, aber der ist so schön, dass ich auf gar keinen Fall selbst Hand anlege (lacht). Das wäre einfach zu riskant. Ich glaube, dass ich natürlich viele Sachen selbst noch machen könnte, oder anders ausgedrückt: ich könnte schon noch ein wenig schrauben, aber der Beruf ist mittlerweile auch so herausfordernd geworden und so komplex, dass ich mir das dann tatsächlich nicht mehr zutraue und auch Fachleute dranlasse. Aber das ist ein ehrbarer Beruf, wie das Handwerk insgesamt, der in Deutschland leider Gottes nicht so geschätzt wird wie in anderen Ländern. Ich bin stolz darauf, diesen Beruf gelernt zu haben, weil das meinem Leben sehr viel gebracht hat. Es gab mal eine Phase in meinem Leben, wo ich das hinter vorgehaltener Hand gesagt habe, was ich gelernt habe. Das hat sich mittlerweile gedreht. Von daher bin ich stolz, sagen zu können, dass ich mal ein Handwerk gelernt habe. Auch wenn ich es jetzt nicht mehr kann (lacht).

Sie engagieren sich ehrenamtlich unter anderem für die Stiftung „mal bewegen“.

„Mal bewegen“ ist ein Projekt, um Kindern einen Anreiz zu schaffen, dass man schon in jungen Jahren was für seine Gesundheit tut. Ich glaube, dass das sehr wichtig ist. Ich beschäftige mich allerdings mit vielen Themen und versuche über mehrere Stiftungen, Menschen zu helfen. Ich habe viel geschenkt bekommen in meinem Leben, viel Gutes erlebt. Ich bin sozusagen auf der Sonnenseite des Lebens, und ich finde, es gehört dazu, dass man auch in Phasen seines Lebens etwas zurückzahlt. Ich kann ein anderes Beispiel nennen: Wir haben uns entschieden, dass wir eine ukrainische Familie aufnehmen, eine Familie mit drei kleinen Kindern. Um ihnen in der schwierigen Phase, in der ihr Land steckt, spontan zu helfen. Für die ukrainische Familie konnte ich den Wohnraum stellen, und die „Eagles“, ein Verein von Golfern (Eagles Charity Golf Club e. V., Anm. der Red.), haben mit Küche und Schlafzimmerinventar unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin. 

Kam die Idee der Unterstützung der ukrainischen Familie spontan?

Ja, das kam spontan. Wenn man viel liest und die Bilder sieht, das ist entsetzlich. Und man stellt sich Fragen wie „Was kann man tun?“ „Wie kann man am schnellsten und am besten helfen?“ Da ich Wohnraum in München habe, haben wir – also meine Vermieter und ich – uns entschieden, dass wir Wohnraum schaffen für Familien, die aus der Ukraine geflüchtet sind und viel erlebt haben. Wir wollen ihnen einfach wieder ein gutes Gefühl geben. Wir sind jetzt mittendrin in dem Projekt und hoffen, dass die Familie nächste Woche einziehen kann. Ich finde es schon fast selbstverständlich, dass man, wenn man die Möglichkeiten hat, etwas zurückgibt. Gerade dann, wenn man wie ich bin auf der Sonnenseite des Lebens ist und viel Gutes erlebt hat.

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